Schon als Teenagerin war Stéphanie von der Bahn fasziniert. Der direkte Einstieg war damals jedoch durch eine technische Grundausbildung erschwert. Ihr Weg führte sie deshalb zunächst über andere Stationen: Eine Gärtnerlehre, anschliessende Tätigkeiten als Landschaftsbauzeichnerin und verschiedene Bürojobs. Der Wunsch nach mehr Draussen-Sein, Abwechslung und Sinn blieb. Heute, zehn Jahre nach ihrem Einstieg bei der BDB, ist für sie klar: Der Quereinstieg zur Lokführerin war genau richtig. Die Erfolgsgeschichte von Stéphanie (56).
Wer Stéphanie kennt oder ihr auf der Strecke begegnet, merkt schnell: Sie fährt mit Ruhe und höchster Aufmerksamkeit. Sie kennt ihre Strecke, aber auch viele der Fahrgäste, die täglich ein- und aussteigen. Besonders ans Herz gewachsen ist ihr der Abschnitt zwischen Bremgarten und Wohlen, wenn der Zug durch den Wald fährt. «Das sind nur ein paar Minuten – aber genau diese Ruhe schätze ich sehr», sagt sie. Auch Abschnitte im Reppischtal mit der sich schlängelnder Reppisch, die Fahrt von Berikon bis Hammergut mit Weitsicht in die Berge oder wunderschöne Sonnenauf- und Untergänge machen dies zu einem Arbeitsplatz, von dem andere nur träumen können.
Betriebsbeginn, während andere noch schlafen
Ihr Tag als Lokführerin beginnt je nach Schicht früh – teilweise bereits um 04:00 Uhr. Im Personalzimmer übernimmt Stéphanie ihr Diensthandy, prüft den Tagesbogen und weiss danach genau, was ansteht. Je nach Einsatz ist sie im Fahrdienst unterwegs oder übernimmt Reserve- und Manöverdienste: Sie kontrolliert Züge, kuppelt Fahrzeuge an, stellt sie bereit oder versorgt sie nach dem Einsatz wieder. Für das Vorbereiten eines Triebfahrzeugs stehen jeweils rund 15 Minuten zur Verfügung – hinzu kommt das Kuppeln sowie das Manöver ins Gleis 1 oder 2 im Bahnhof Bremgarten. «Kommt eine kurzfristige Anpassung oder eine Störung dazu, sind diese 15 Minuten ratzfatz aufgebraucht», weiss Stéphanie. Zusätzlich gibt es Reservedienste, die einspringen, falls kurzfristig jemand ausfällt, etwa wegen Krankheit oder Verspätung.
Verantwortung und Erwartungen, die immer mitfahren
Ist der Zug bereit, beginnt für Stéphanie der eigentliche Fahrdienst. «Dann braucht es volle Konzentration», sagt sie. Signale beobachten, Geschwindigkeiten einhalten, den Betrieb und die Fahrgäste jederzeit im Blick behalten. Besonders bei schwierigen Bedingungen – etwa im Winter, wenn es rutschig ist – wird das Fahren anspruchsvoll. «In solchen Momenten hat Sicherheit immer oberste Priorität.» Verspätungen erlebt sie dabei oft als Missverständnis: «Viele denken, wir machen das extra oder hätten Freude daran. Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch wir möchten pünktlich ankommen – genauso wie unsere Fahrgäste.», sagt Stéphanie. «Wir freuen uns genauso, wenn alles reibungslos läuft.»
Vieles davon bleibt für Fahrgäste unsichtbar – ist aber entscheidend für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb. Um langfristig konzentriert und gesund unterwegs zu sein, sorgt Stéphanie bewusst vor: Mit täglichen Dehn- und Mobilisationsübungen, gezieltem Krafttraining oder regelmässigen Massagen, die übrigens auch empfohlen werden. Prävention gehört für sie selbstverständlich zum Beruf.
Stéphanies Weg zur BDB
Vor ihrer Zeit bei der BDB war die im Waadtland geborene Stéphanie zwei Jahre bei den VBZ mit dem Tram unterwegs. Das gefiel ihr gut, auf Dauer war ihr der Betrieb jedoch zu hektisch und zu urban. Über Kontakte hörte sie nur Gutes von der damaligen BDWM – und wusste nach der ersten Fahrt als Fahrgast schnell: Das passt zu ihr. Wald, Wiesen, Ausblicke – und in Dietikon trotzdem genug Betrieb. «Dietikon ist wie Salz oder Pfeffer in der Suppe. Da läuft etwas, da ist Action», lacht sie. Sie wartete nicht lange und griff selbst zum Telefon: «Ich habe angerufen und gefragt, was ich tun muss, um dort arbeiten zu können.» Auch das Vorstellungsgespräch blieb ihr in Erinnerung: «Wir haben viel gelacht. Es war einfach ganz unkompliziert.» Ihr Vorgesetzter sagt heute, ihre Bewerbung habe damals für Aufsehen gesorgt – so sympathisch geschrieben, dass sie sofort in Erinnerung blieb.
Mehr als nur Fahrpläne und Haltestellen
Obwohl Stéphanie ihren Rückzugsraum schätzt und eher eigenständig arbeitet, sind die Begegnungen mit Fahrgästen ein wichtiger Teil ihres Alltags. Auf der Strecke kennt man sich. Es gibt Menschen, die immer zur gleichen Zeit einsteigen, kurze Gespräche beim Führerstandswechsel oder ein Ehepaar, das regelmässig winkt. Besonders schön sind für sie die vielen positiven Rückmeldungen. Wenn Fahrgäste sich bedanken oder sagen: «Heute bist du schön gefahren», ist das für sie ein guter Arbeitstag.
Rückhalt im Team
Durch ihren Beruf ist Stéphanie gelassener geworden. Sie hat gelernt, Dinge nicht persönlich zu nehmen – auch dann nicht, wenn im Alltag bei den Fahrgästen einmal Ungeduld aufkommt. Dabei ist Stéphanie froh um den Zusammenhalt im Team: «Man hilft sich, kennt sich auch abteilungsübergreifend. Etwa mit Werkstatt, Zugleitstelle, Baudienst oder Reinigung», sagt sie. «Und wir treffen uns auch nach Feierabend, zum Beispiel zu einem Grillabend.»
Was einige überraschen mag: Für Stéphanie überwiegen bei der Schichtarbeit klar die Vorteile. Sie schätzt die Flexibilität und die freien Zeiten unter der Woche, die ihr ermöglichen, Beruf und Privatleben gut zu verbinden. Diese Flexibilität nutzt sie bewusst für ihren Ausgleich: Zeit draussen in der Natur und bei ihrem Pferd. Dort kann sie abschalten und neue Energie tanken. Und auch nach zehn Jahren ist ihre Begeisterung ungebrochen: «Ich habe immer noch sehr viel Freude an meinem Job – und werde sie auch bis zur Pensionierung haben.»
💙 Liebe Stéphanie, wir gratulieren Dir von Herzen zu Deinem 10-jährigen Jubiläum! Danke für deinen täglichen Einsatz, deine Sorgfalt und deine Erfahrung, mit der du den Bahnbetrieb mitprägst. Ab März gibst du dein Wissen auch offiziell als Ausbildungslokführerin an unsere Lokführeranwärter/-innen in Ausbildung weiter – schön, dürfen wir und unsere BDB-Fahrgäste auch weiterhin auf dich zählen!